Über Ratschläge

An Deiner Stelle würde ich Folgendes machen…

Heißt es oft, bevor der Schlag kommt. Der Ratschlag, ohne dass ich danach gefragt habe. Ich selbst gebe so gut wie nie Ratschläge, zumindest nicht, wenn ich nicht danach gefragt werde. Weil ich weiß, wie solche Dinge bei mir ankommen, nämlich gar nicht gut.

Ich hole mir gerne Rat bei anderen Menschen, aktiv. Kollege XY kann vielleicht einen Handwerker empfehlen, der beste Freund kann bei einem Bier vielleicht einen Rat geben, wie ich mich in irgendeiner Situation verhalten kann und vielleicht weiß der Bekannte auch ganz gut, wie ein handwerkliches Problem gelöst wird. Aber hier suche ich mir aus, ob Rat benötige und vor allem von wem. Vor kurzem habe ich meinem Cousin ein wenig über das Investieren an der Börse informiert, aber erst, nachdem er danach gefragt hat.

Anders sieht es bei ungefragten Ratschlägen aus. Nach meiner Erfahrung sind diese ein Grundübel in Familien und Freundeskreisen, wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht. Ob gut gemeint oder nicht, spielt selten eine Rolle, wenn sich jemand einschaltet und sagt, dass er irgendetwas ja anders machen würde, weniger trinken, mehr Sport, weniger am Computer sitzen, mehr Geld sparen sollte, sich mehr gönnen sollte und so weiter.

Schon immer hat es mich genervt, wenn ich gesagt bekommen habe, ich solle mir doch noch etwas mehr anziehen, draußen ist es kalt und ich mich erkälten würde. Wenn ich mich dann beim 100. Mal dann doch erkältet habe, flog mir gleich noch ein „hab ich doch schon immer gesagt“ entgegen. Na danke!

Ein Ratschlag, welchen ich nicht haben wollte, impliziert mir in erster Linie eins: Du machst hier gerade etwas verkehrt. Ich weiß es besser!

Wahlweise entsteht ein Rechtfertigungsdruck, welcher, je nach Thema, die aktuelle Situation verschlimmert. In einer depressiven Phase, hilft der Ratschlag doch mal etwas Verrücktes zu machen und an etwas anderes zu denken nicht unbedingt.

Der Profi unter den ungeratenen Ratgebern schiebt bei Widerstand am Ende gerne noch ein „ich will Dir doch nur helfen“ oder „ich meine es ja nur gut“ hinterher.

Und seien wir mal ehrlich, wie oft wurde so ein Ratschlag angenommen? Welcher Raucher hat spontan die Zigaretten weggeschmissen, nachdem er erklärt bekommen hat, wie ungesund das sei. Oder beim Finanzthema zu bleiben, wie viele Leute aus dem Freundeskreis haben gleich einen ETF-Sparplan abgeschlossen, als wir darauf hingewiesen haben, dass Altersarmut droht.

Zur Wahrheit gehört auch, dass Ratschläge nur Worte sind. Worte sind einfach und der Ratgeber muss selten die Konsequenzen tragen, wenn ich den Ratschlag annehme. In aller Regel basiert der Rat auch auf eigene Erfahrungen, das eigene Leben und lässt sich nicht auf jemand anders übertragen. Für mich ist es entspannend Abends am Computer zu sitzen, einen Blogartikel zu schreiben oder etwas zu programmieren. Jemand anders sieht darin nur Arbeit und von solchen Leuten brauche ich dann auch keinen Kommentar, dass ich nur arbeiten würde.

Und jetzt die Frage in die Runde, wie seht ihr das?

3 Kommentare

  • Kurt

    Es gibt da so einen Spruch, man solle erst 10.000 Schritte in den Mokassins des anderen gelaufen sein….

    Dem und deinem Artikel ist nichts hinzuzufügen. Plus: Jeder ist seines Glückes Schmied.
    Danke.

    • admin

      Danke Dir! Ich habe mir hier in der Tat etwas den Frust von der Seele geschrieben, da doch etwas viel „Rat“ in letzter Zeit von bestimmten Leuten in meinem Umfeld kam. Gut gemeint ist nicht gut gemacht… aber hat geholfen darüber zu schreiben! 🙂

      • Kurt

        Das kann ich verstehen. Ist wie über Probleme zu reden, auch wenn man keinen Rat will oder erwartet. Es kann aber trotzdem beim Gedankensortieren helfen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.