Kürzung der betrieblichen Altersvorsorge und warum ich keine habe

Die Firma geht durch schwere Zeiten, Kurzarbeit und jetzt wird auch die betriebliche Altersvorsorge gekürzt.

Zumindest der Arbeitgeberanteil wird ausgesetzt, heißt es in einer E-Mail der Geschäftsleitung. Möglich macht dies eine Klausel in der Betriebsvereinbarung. Prinzipiell ist das OK, ich halte dies für sinnvoller, als das die Firma in eine größere Schieflage gerät nur, um die Beiträge zu zahlen.

Dennoch zeigt es, dass ich mich nicht auf solche langfristigen und seltsamen Verträge verlassen möchte. Ich bin kein Experte, was die betriebliche Altersvorsorge angeht. Ich habe mir die Konditionen kurz angeschaut und jede Menge Dinge gefunden, welche mir nicht zusagen. Von daher möchte ich hier ein paar Dinge ausführen, welche mich davon abhalten so einen Vertrag abzuschließen
und weiterhin auf Aktien zu setzen.

Es ist eine Versicherung

Der wichtigste Punkt ist, dass es kein Vermögen im eigentlichen Sinne ist. Vermögen ist etwas, über das ich jederzeit frei verfügen kann. Ich kann es verschenken, vererben, spenden und auch veräußern, wenn ich die Kohle brauche. Ich möchte auch meine Aktien nicht verkaufen, aber ich habe jederzeit die Möglichkeit dazu.

Eine Versicherung ist für mich abgeschlossen, ich komme vor Ablauf nicht heran und vererben kann man es auch nicht. Es gibt zwar die Möglichkeit eine Auszahlung eine Verwandte zu erlauben, aber dies ist neben Gebühren auch mit einigen Einschränkungen belegt. Verwandte sind die eigenen Kinder und maximal noch die Ehefrau, das wars.

Aktien liefern mir bereits jetzt Monat für Monat Dividenden, die Versicherung zahlt erst ab einen Stichtag. Die Auszahlung gibt es frühestens mit 62.

Gebühren und Steuern

Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wie es mit den Gebühren aussieht. Auch der Vertreter der Allianz konnte bei der Vorstellung in der Firma keine wirkliche Aussage dazu treffen. Das sagt bereits viel. Meist lohnen sich solche Verträge nur, weil der Arbeitgeber noch Geld zuschießt und damit quasi die hohen Gebühren zahlt. Umso blöder, wenn der Anteil des Arbeitgebers wegfällt, wenn auch nur temporär macht es die ganze Berechnung zunichte.

Ein Katzenbild zur Auflockerung des Artikels

Auch das Thema Steuern gefällt mir nicht wirklich. Die Einzahlung erfolgt aus dem Brutto-Gehalt. Damit spart man Steuern, was als Hauptvorteil hervorgehoben wird. Besteuert wird alles trotzdem, am Ende, wenn es zur Auszahlung kommt. Das Argument ist dann immer, dass man im Alter sowieso weniger verdient und damit weniger Steuern zahlen würde.

Aber mal ehrlich, wie hoch die Steuern später sein werden, weiß eh niemand und ich vermute, dass der Staat auch in Zukunft eher Steuern erhöht. Wo es etwas zu holen gibt, wird es geholt. Das trifft natürlich auch auf meine Aktien zu. Und ansonsten ist mein Ziel auch im Alter mehr Geld zu erwirtschaften als heute.

Wer sich für eine Einmalauszahlung entscheidet, dürfte ordentlich Steuern im Jahr der Auszahlung blechen. Wer sich die Versicherung als Rente auszahlen lässt, kann ggf. Steuern sparen, wird aber deutlich weniger herausbekommen, da die Versicherungen hier mit deutlich überzogenen Lebenserwartungen rechnen. Ach ja, neben Steuern kommen natürlich auch noch Beiträge für die Krankenversicherung (nur gesetzlich) dazu.

Unflexibel und kompliziert

Ich halte nichts von unflexiblen Produkten. Ich glaube der Maximalbetrag, den man einzahlt, sind 160 Euro, hängt, aber denke auch vom Gehalt ab. Ein überschaubarer Betrag. Dennoch möchte ich keinen langwierigen Vertrag, welcher mich dazu zwingt Monat für Monat Geld zu zahlen.

Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt. Habe ich in einem Monat mal höhere Ausgaben, will ich auch einfach mal aussetzen können. Mit Aktien ist das kein Problem. Damit wir uns nicht falsch verstehen, normalerweise kaufe ich für deutlich mehr Geld Aktien jeden Monat. Ich kann, aber ich muss nicht. Ist mehr Geld da, kaufe ich mehr Aktien, ist weniger Geld da, dann kaufe ich weniger.

Ich kann mir auch nicht aussuchen, wohin das Geld geht. Es gibt einen Vertragspartner, ein Produkt und das wars.

Die Undurchsichtigkeit der Gebühren, was der Arbeitgeber dazu zahlt, wie viel maximal gezahlt werden kann, darf oder soll. Ganz ehrlich damit will ich mich gar nicht auseinandersetzen.

Der Text ist lang, eine weitere Katze.

Bei einem Arbeitgeberwechsel wird es auch schwierig, das Geld ist dann nicht weg, aber der Vertrag ruht oder ich muss hoffen, dass der neue Arbeitgeber den Vertrag weiterführt. Auch der ruhende Vertrag muss irgendwie überwacht, Papier und Dokumente abgelegt werden. Es ist am Ende auch eine gute Möglichkeit den Mitarbeiter noch mehr an die Firma zu binden.

Fazit oder Aktien der Allianz kaufen

Bei uns haben viele Kollegen den Vertrag abgeschlossen. Auf Nachfragen konnten mir die wenigsten die genauen Vertragsinhalte benennen, was am Ende bei rauskommt etc. Ich denke, dass die meisten das einfach abschließen, nach dem Motto man tut etwas fürs Alter, die Sache ist erledigt und das Gewissen beruhigt. Der Gewinner durfte am Ende die Allianz sein, welches dies für unsere Firma managed.

Als Aktionär der Allianz freut es mich natürlich und besser als eine Versicherung abzuschließen ist am Ende Aktien der Versicherung zu haben. 🙂

4 Kommentare

  • Ruben

    Hallo Fuseboroto,

    In unserer Firma kann man die jährliche Prämie auch mittels Gehaltsumwandlung in einen Altersvorsorgevertrag packen. Man kommt vor der Rente nicht an sein Geld und es wird quasi auch nicht verzinst, es ist ein Geldgrab. Wer weiss, ob in ein paar Jahrzehnten die Besteuerung in der Auszahlphase wirklich besser ist.
    Ich bin der gleichen Meinung wie du, mir graust es, wenn ich nicht über mein Kapital verfügen kann, wenn es nicht “arbeiten” kann, wenn der Erfolg rein von der jeweilig aktuellen Steuergesetzgebung abhängig ist und horrende Gebühren veranschlagt werden.
    Umso ärgerlicher ist es dann, wenn der Arbeitgeber für die Gehaltsumwandlung in dieses Geldgrab einen extra Bonus gibt. Den werde ich aber wieder aufholen, es sei denn ich stehe einmal wenige Jahre vor der Rente. Meine Vorgehensweise stößt natürlich bei meinen Kollegen auf Unverständnis.
    Ansonsten weiter so, gerne auch weiterhin als Podcast vorgetragen. Die Katzenbilder haben mir ebenfalls gefallen:-)

    Viele Grüsse
    Ruben

    • admin

      Hallo Ruben,

      Danke für den Kommentar. Schön, dass nicht nur ich das so sehe. 🙂 In der Arbeit haben sich bei uns die Leute darauf gestürzt. Ich glaube, das Unverständnis rührt zu einem großen Teil auch daher, dass die Kollegen gar nicht so genau wissen, was sie da unterzeichnet haben. Da will dann natürlich niemand hören, dass es da viele negative Punkte gibt.

      Katzenbilder kommen weitere. 🙂 Irgendwie muss man die Beiträge ja auflockern.

      Gruß
      Fuseboroto

  • jogroma

    Hallo Fuseboroto,

    ich habe bei meinem alten Arbeitgeber auch eine BAV unterschrieben. Zahle allerdings erst ca. 10 Monate ein. Damals hatte ich einfach das Gefühl, ich müsste etwas für meine Altersvorsorge machen, hatte aber keine Lust mich mit dem Thema zu beschäftigen. Jetzt habe ich den Arbeitgeber gewechselt und von der Allianz einen Brief bekommen, dass die BAV nicht weiterläuft, wenn ich mich nicht melde. Das habe ich auch nicht getan. Allerdings ist es trotzdem komisch, dass ich die BAV nicht kündigen, sondern nur beitragsfrei stellen kann. Naja, ich nehme jetzt alles in die eigene Hand und habe nur noch eine gesetzliche Krankenversicherung, eine Haftpflicht und eine KFZ Versicherung (Bis ich das Fahrzeug Anfang nächsten Jahres verkaufen werde). Die Gründe stehen oben in deinem Blog. Es ist mein Geld, also will ich auch bestimmen, wie damit umgegangen wird und nicht jahrzehntelange Verträge eingehen. Ein ETF hier und da ein paar Aktien, etwas Geld zur Seite legen um vielleicht mal eine Immobilie u kaufen und generell möglichst wenig machen. Mein Leitsatz von Kostolany: “Kaufen sie Aktien, nehmen sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich”. Außerdem finde ich es macht Spaß, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Finde bei dir die Kombination aus Minimalismus und Finanzen sehr interessant, es gibt hier sicherlich viele Synergien. Dein Podcast ist auch sehr aun genehm zu hörne. Bleib am Ball 🙂 jogroma (26)

    • admin

      Hallo Jogroma,

      danke für den Kommentar. Ja das Gefühl, was machen zu müssen, dürfte uns allen bekannt vorkommen. So bin ich damals zu meiner Lebensversicherung gekommen. Bei 10 Monaten durfte der finanzielle Schaden sich in Grenzen halten. Von daher ist Dein Ansatz richtig: selbst machen, ETFs und Aktien und am Ball bleiben. Viel Aufwand ist das nicht, wenn man sich mal damit beschäftigt hat.

      Ansonsten bleibe ich am Ball. 🙂

      Gruß
      Fuseboroto

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